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Die kleine Bürokratie, 1958

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22.05.-16.10.2011
ICH BIN DER ICH BIN. EBERHARD SCHLOTTER – PORTRÄTS

Ausstellung im Bomann-Museum Celle
Anlässlich des 90. Geburtstages des Malers und Grafikers Eberhard Schlotter am 3. Juni zeigt die Eberhard-Schlotter-Stiftung eine repräsentative und umfangreiche Auswahl seiner Porträts aus siebzig Schaffensjahren von 1940 bis 2011. Mit diesem Ausstellungsprojekt wird erstmals umfassend das Porträtwerk des Künstlers ins Blickfeld gerückt.
Eberhard Schlotter gehört zu den wenigen Künstlern unserer Zeit, die sich kontinuierlich und intensiv der Portraitmalerei widmeten: Bis heute portraitiert er Familienmitglieder, Freunde und Kollegen ebenso wie Dichter und Schriftsteller und reflektiert seine eigne Person in variantenreichen Selbstbildnissen.

Selbstbildnis mit Zigarette, 1941
Selbstbildnis mit Zigarette, 1941


VierzigerjahreBereits in seiner Studienzeit bildete die Porträtmalerei einen Schwerpunkt in der Ausbildung Eberhard Schlotters an der Münchner Kunstakademie, die sich in dieser Zeit insbesondere am realistischen Stil Wilhelm Leibls orientierte. Nach dessen Vorbild experimentierte Schlotter mit der Prima-Malerei, einer Maltechnik, bei der die Ölfarben ohne Untermalung in spontaner und aufgelockerter Pinselführung direkt auf die Leinwand aufgetragen werden. Seine frühen Bildnisse sind tonig im Farbauftrag und geprägt von einer akzentuierten Lichtführung.
Nach dem Krieg lässt sich Eberhard Schlotter als freischaffender Maler in Darmstadt, der Heimatstadt seiner Frau Dorothea, nieder. Es ist die Zeit der Familiengründung und der beruflichen Etablierung. Die Porträts aus dieser Zeit belegen die intensive Beschäftigung mit den persönlichen Lebensumständen: Dorothea ist häufig sein Motiv, neben anderen dem Künstler nahestehenden Menschen.

Dorothea u. Johanna, 1950/51
Dorothea u. Johanna, 1950/51


FünfzigerjahreIn Darmstadt erhält Eberhard Schlotter entscheidende Impulse durch das kulturell sehr lebendige Klima der Stadt und ist herausgefordert durch die zeitgenössische internationale Kunstentwicklung. Sein Schlüsselerlebnis dieser Jahre aber ist die Begegnung mit den avantgardistischen Kunstströmungen der Zehner- und Zwanzigerjahre in Europa, insbesondere des Kubismus und des französischen Fauvismus, deren Studium ihm während des nationalsozialistischen Regimes nahezu unmöglich war. In seinen Porträts dieser Zeit spiegelt sich diese Auseinandersetzung in einer vorübergehenden Abkehr von der naturalistischen Figurenauffassung. Stattdessen baut er den Bildraum aus geometrischen Flächen und mit starken farblichen Kontrasten auf.

Tante Mel, 1968
Tante Mel, 1968


SechzigerjahreZu Beginn der Sechzigerjahre verarbeitet Eberhard Schlotter den Abschied von ihm nahestehenden Menschen in düsteren, von Grau und Schwarz dominierten Bildern in einer reliefartigen Mischtechnik aus Sand, Bindemittel und Pigmenten. Die verkrustet wirkende Oberfläche macht aus den Figurenbildern dieser Schaffensphase erstarrte, steinerne Abbilder, gleichsam Todesmasken. Mit dieser spezifischen Technik findet er eine adäquate Möglichkeit, den morbiden Charakter der Vergänglichkeit bildhaft auszuformulieren.

Junger spanischer Arbeiter, 1960
Junger spanischer Arbeiter, 1960
© Copyright: Fotostudio Loeper
Lis Kertelge, 1966
Lis Kertelge, 1966
© Copyright: Fotostudio Loeper


Nach den Schwarzen Bildern kehren Farbe, Licht und Leben zurück in die Bildnisse. Von nun an malt der Künstler neben Familien- und Selbstporträts bevorzugt Persönlichkeiten aus seinem geistigen und künstlerischen Umfeld. Ein weiteres beliebtes Bildmotiv der Jahre 1964-66 ist die Porträtpose der sitzenden Frau, die meist mit übereinandergeschlagenen Beinen nahezu schwerelos im Raum zu schweben scheint. In diesen Porträts zeigt sich ein irritierendes Nebeneinander von weiblicher Eleganz, subtiler Erotik und abweisender Zurückhaltung.

Selbst 03.Juni 1968
Selbst 03.Juni 1968


Ein kurzes, aber wichtiges Intermezzo im Bildnisschaffen Eberhard Schlotters sind die Experimente, die er in den Jahren 1967/68 mit dem Zerrspiegel macht. Auf der blanken, gebogenen Metallfolie zerfließen die Spiegelbilder zu neuen, befremdlichen Figurengebilden. In der Verzerrung entdeckt er eine Möglichkeit, Bewegungsprozesse, zeitliche Abläufe und psychologische Spannungen malerisch darzustellen.

Wir beiden, 1969
Wir beiden, 1969
Ernst Kreuder, 1971
Ernst Kreuder, 1971


SiebzigerjahreIn den Siebzigerjahren verändern sich Eberhard Schlotters Bildkompositionen auffällig. Sie markieren eine Arbeitsphase, die sich durch frappierenden Naturalismus, unermüdlichen Erfindungsreichtum und eine bis dahin für den Künstler untypische Farbintensität deutlich von seinem restlichen Werk absetzt. Die spanische Landschaft dient ihm als Kulisse für phantasievolle Kompositionen, in denen er Elemente der Stillleben- und der Figurenmalerei auf befremdliche Art miteinander verbindet. An der Begegnung diskrepanter Bildelemente und dem bewussten Verstoß gegen die Gesetze der Zentralperspektive entzündet sich eine verstörende Wirkung, die den vordergründigen Illusionismus ad absurdum führt.

Der Maure, 1994
Der Maure, 1994
Der arbeitslose Bruder des Metzgers, 1986
Der arbeitslose Bruder des Metzgers, 1986


AchtzigerjahreEberhard Schlotters Bildnisproduktion der Achtzigerjahre kennzeichnet eine überraschende Abwechslung in Stil und Technik. Je nachdem welche künstlerische Vision er bei der Darstellung der Porträtcharaktere verfolgt, schöpft er aus seinem bisherigen Darstellungsrepertoire.Techniken wie das plastische Verfahren in den Schwarzen Bildern, die Zerrspiegel-Manier oder die symbolstarke Illusionsmalerei bestimmen nicht nur die äußere Form, sondern sind zentraler Inhaltsträger des Porträts.

Rest einer Säule, 1989/90
Rest einer Säule, 1989/90


Neunzigerjahre bis heuteGegen Ende der Achtzigerjahre richtet sich Eberhard Schlotters Interesse für einen kurzen Zeitraum auf eine Bildnisform, in der die menschliche Figur ihre reale Präsenz verliert und als körperlose Erscheinung in irrealen Raumgefügen auftritt. In einer Reihe von Bildnissen befreit er die Kompositionen schrittweise von gegenständlichen Inhalten und verkürzt die figürliche Darstellung auf ihren Schatten.

Peter Rühmkorff, 1995
Peter Rühmkorff, 1995


Parallel zu seiner Beschäftigung mit dem „entmaterialisierten“ Porträt arbeitet der Künstler kontinuierlich weiter an realistischen Porträtdarstellungen. Jedem einzelnen dieser Porträts scheint eine eindringliche und präzise Charakterstudie zugrunde zu liegen. Soweit bekannt ist, malt Eberhard Schlotter seit den Neunzigerjahren ausschließlich Personen aus seinem persönlichen Umfeld, mit denen er in engem geistigen Austausch stand bzw. steht.

Hans Reinhardt und es
Hans Reinhardt und es


Zur Ausstellung erschien ein Katalog.