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Die kleine Bürokratie, 1958

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Eberhard Schlotter sieht Arno Schmidt

Ausstellung im Bomann-Museum Celle
01. Februar bis 31. August 2004

Ab Februar ist die Ausstellung "Eberhard Schlotter sieht Arno Schmidt" im Bomann-Museum Celle zu sehen. Im Mittelpunkt stehen zwei Radiermappen des international anerkannten Malers und Grafikers Eberhard Schlotter zu Texten von Arno Schmidt. Ergänzend werden Aquarelle, Zeichnungen und gemalte Porträts gezeigt.

Immer wieder taucht im Zusammenhang mit der Untersuchung des Werkes von Eberhard Schlotter der Name des lange in Bargfeld ansässig gewesenen Schriftstellers Arno Schmidt auf. Er wird in der Literatur als Freund, Kritiker, Bewunderer, Anreger des Künstlers bezeichnet, ja sogar das Wort Todfeindschaft fiel schon einmal im Zusammenhang mit der Charakterisierung ihrer Beziehung zueinander. Dieses Thema ist eines der kompliziertesten und interessantesten innerhalb der Eberhard-Schlotter-Forschung.
Die vorangegangene Ausstellung mit Fotografien von Arno Schmidt thematisierte die visuellen künstlerischen Ausdrucksmöglichkeiten des Schriftstellers. Nun wird am Beispiel zweier Radiermappen zu den frühen Texten von Arno Schmidt "Schwarze Spiegel" und "Tina oder über die Unsterblichkeit" der bildkünstlerische Umgang Eberhard Schlotters mit der Literatur untersucht.
Arno Schmidt hat Eberhard Schlotter einmal als den größten Illustrator des Jahrhunderts bezeichnet. Dieses berechtigte Lob des angesehenen Schriftstellers beinhaltet allerdings einen Wermutstropfen im Selbstverständnis des Literatur liebenden Künstlers. Denn bloßes Illustrieren, im Sinne von Bebildern einer Textvorlage, liegt Eberhard Schlotter fern. Ihm geht es vorrangig darum, mit den subtilen Mitteln seiner Kunst eigene Aspekte zu den vom Schriftsteller behandelten Themen zu veranschaulichen.
Dank der fruchtbaren Zusammenarbeit konnten die in der Eberhard-Schlotter-Stiftung Celle vorhandenen Radierungen durch die Bestände der Arno Schmidt Stiftung in Bargfeld ergänzt werden. Von besonderem Interesse ist dabei ein bisher nie öffentlich gezeigtes Porträt von Arno Schmidt, das Eberhard Schlotter als Ölbild gefertigt hat. Außerdem steuerte die Bargfelder Stiftung auch eine selten zu sehende Mappe mit 17
Aquarellen und Zeichnungen aus der Umgebung von Cordingen bei, dem früheren Wohnort Arno Schmidts. In dieser Gegend hatte er die Handlung der "Schwarzen Spiegel" angesiedelt. Auf einer Reise dorthin suchte Eberhard Schlotter die Schauplätze der Erzählung auf und fand vieles noch so vor, wie Arno Schmidt es beschrieben hatte: den Bahnhof, die alte Mühle und den durchgefaulten Brückensteg.
Die Ausstellung gibt einen ersten Eindruck von der intensiven Auseinandersetzung Eberhard Schlotters mit dem Werk Arno Schmidts. Die Auswahl der Themen und ihre Art der Bearbeitung ist jedoch auch im Zusammenhang mit seiner eigenen bildnerischen Arbeit zu sehen und zeigt ihn als unabhängigen Interpreten der Literatur.