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Die kleine Bürokratie, 1958

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Eberhard Schlotter. Die Metzgerfamilie

10. Mai bis 21. September 2003
Die Ausstellung "Die Metzgerfamilie" dokumentierte die neuesten Forschungsergebnisse der in Celle ansässigen Eberhard-Schlotter-Stiftung, die es sich zur Aufgabe gemacht hat, das Oeuvre des international anerkannten Malers und Grafikers Eberhard Schlotter kunsthistorisch aufzuarbeiten. Für den Besucher liegt ein außerordentlicher Reiz in der schrittweise fortgesetzten Werkanalyse, da sie ihm die Gelegenheit gibt, das vielschichtige Werk eines bedeutenden deutschen Künstlers der Nachkriegszeit intensiv und hautnah kennenzulernen.

Im Rahmen der Werkanalyse gab es bereits die Ausstellungen "Jugend-Krieg-Aufbruch" (1995) und "Leere Bilder" (2001). Während die erste Ausstellung die künstlerischen Wurzeln Eberhard Schlotters aufarbeitete, spiegelten die "Leeren Bilder" den Seelenzustand des damals Dreißigjährigen wider. Enttäuschungen über den Kunstbetrieb und persönliche Verletzungen führten zu Beginn der 50er Jahre dazu, dass Eberhard Schlotter die Darstellung des Menschen aus seinen Bildern verbannte.

Der Metzger 1958
Der Metzger 1958


Mitten in dieser Phase menschenleerer Bilder schuf er jedoch 1958 die aus elf figurativen Gemälden bestehende "Metzgerfamilie I". Auf Anregung seines Freundes, des Schriftstellers Arno Schmidt, ließ er die Menschen wieder in seine Bildwelt zurückkehren.
Vereinsamte, ausgebrannte Männer, verbitterte, desillusionierte Frauen und vernachlässigte Kinder treten vor unsere Augen. Angesichts seiner eigenen Erfahrungen beleuchtet Eberhard Schlotter die Unvollkommenheit der menschlichen Kreatur, das daraus resultierende Dilemma einer nie endenden Zwietracht unter den Menschen, das gegenseitige "Schlachten". Mit dieser spürbar pessimistischen Weltsicht gibt der Künstler dem Betrachter einen deutlichen Hinweis auf ein philosophisches Fundament seiner Bildwelt, Arthur Schopenhauer, dessen zeitlose Erkenntnisse ihm eine ständige Inspirationsquelle sind.

Die Schwägerin des Metzgers 1958
Die Schwägerin des Metzgers 1958


Fast 30 Jahre später widmete sich Eberhard Schlotter erneut dem Thema und lieferte mit den zehn Gemälden der "Metzgerfamilie II" eine Bestandsaufnahme der gesellschaftlichen Situation in den 80er Jahren, die noch drastischer ausfiel. Aus dem Metzger der 50er Jahre, einem verhärmten kleinen Betrüger, wurde ein neureicher, korrupter, skrupelloser Geschäftsmann. Aus der unterkühlten, aber dezent gekleideten Tochter wurde eine provokativ auftretende Punkerbraut. Die Verschärfung der Zustände veranschaulicht der Künstler auch in stilistischer Hinsicht. Während die erste Serie in neusachlicher Kühle gehalten ist, sind die späteren Bilder in fotorealistischer Schärfe gemalt.

Die eine Tochter des Metzgers, 1958
Die eine Tochter des Metzgers, 1958


"Die Metzgerfamilie" ist ein Schlüsselwerk in Eberhard Schlotters Schaffen. Sie ist zweifelsohne als eine Allegorie der Menschheitsfamilie aufzufassen.
Durch die Entdeckung eines bislang verschollen geglaubten Bildes und die Ergänzung um ein weiteres "Familienmitglied" ist die Eberhard-Schlotter-Stiftung in der glücklichen Lage, die "Metzgerfamilie" erstmals vollständig dem Publikum vorstellen zu können.
Zur Ausstellung erschien ein Katalog.