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Die kleine Bürokratie, 1958

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Eberhard Schlotter. Neue Leere Bilder

2001 - 2002
Jedes dieser Bilder zeugt von seiner Hingabe an die Malerei. Befreit von den inhaltsschweren literarischen und die Wirklichkeit hinterfragenden Themen der vergangenen Jahrzehnte gibt sich der Künstler ganz den optischen Reizen der Natur und den Zeugnissen menschlicher Existenz hin. Die meisten dieser Bilder sind zwar menschenleer, Hinweise auf die Anwesenheit des Menschen sind jedoch überall zu finden. Eberhard Schlotter beweist in diesen Neuen Leeren Bildern seine außergewöhnliche Fähigkeit, beim Betrachter Assoziationen von Geschichten hinter den Bildern hervorzurufen und die Bedeutung selbst unscheinbarer Dinge ans Licht zu holen.

Die blaue Tür II 1999
Die blaue Tür II 1999

Auf Reisen durch Peru hat Eberhard Schlotter seine Eindrücke auf Aquarellen und Skizzen vor Ort festgehalten. In seinem spanischen Atelier entstehen sie dann in seiner unnachahmlichen Mischtechnik. Schon in den 1950er Jahren hat Eberhard Schlotter ähnliche Bilder, damals inspiriert durch die Begegnung mit Spanien, gemalt. Dort waren es die in die karge Landschaft gesetzten einfachen Formen der weißen Häuser, die den Künstler faszinierten. Diese Begegnung von Natur und vom Menschen gegebener Form wiederholt sich nun vor seinen wachen Augen in Südamerika. Nur die Farben haben gewechselt. Die Häuser sind bunt, er nennt es kitschige Industriefarbigkeit. Diese Buntheit, diese farbigen Gegensätze reizen sein Künstlerauge.

In Südamerika trifft Schlotter auch auf Armut, Gewalt und Trauer. Und häufig sind es einfache kurz vorm Verfall stehende Dinge die ihn anziehen. Dieser Zwiespalt wirft Fragen auf, die der Künstler folgendermaßen – nachdenklich – beantwortet:
Am Ende der großen Bucht von Lima riegelt ein vegetationsloser Bergrücken alles ab. Dieser Chorrillos ist am Fuße besetzt mit Tausenden bunter stark verfallener Hütten und Behausungen, Geburtsstätten der Lepra und der Cholera, Rattenlöcher, wuchernde Geschwüre. Am Hang Stationsweg (el Calvario). Ein Fest für das empfindsame Malerauge. Doch nichts kann trösten. Zwei Welten. Hier die Lust des Augenerlebnisses, dort die Tragödie. Hier ein ästhetisches Programm, dort Realität. "Die Oberfläche der Dinge ist wichtiger als ihr Wesen", so schrieb mir einmal Arno Schmidt eine Widmung. Meingottchen, ob die wirkliche Kunst nicht doch der Realität feindschaftlich verbunden ist?(...) Den ganzen Tag auf Farbensuche in diesem hässlichen Viereck mit Aquarellfarben.

Auf der Suche nach dem Obertitel:

lo bonito del feo, die Schönheit des Hässlichen. Wenn es wirklich gut ist, was ich da so zusammenpinsele, dann müßte es schön sein. (Eberhard Schlotter, Peruanisches Skizzenbuch, Geschichten hinter Bildern Sonderband 1, Bargfeld 1996, S. 19.)

Die "Neuen Leeren Bilder" Eberhard Schlotters sind in den 1990er Jahren entstanden und zeigen Architekturausschnitte in der vegetationslosen Landschaft Südamerikas. Sie sind gleichzeitig eine Rückschau des reifen Künstlers auf die Wurzeln seiner eigenständigen künstlerischen Entwicklung, aber auch eine Besinnung auf sich selbst, ein Zeichen der im Alter gefundenen Unabhängigkeit und Freiheit Eberhard Schlotters.
Eberhard Schlotter, Rote Fassade, 1998