Inhalt

Juli 2025

Peníscola, 1952

Öl auf Malkarton 

Dieses Gemälde gelangte erst kürzlich durch den Verkauf des Künstlerhauses in Wienhausen in die Stiftung. Es gehört zu einer Gruppe von Arbeiten, die Schlotter nie öffentlich gezeigt hat, weil sie zum unausgegorenen Frühwerk des Künstlers gehören.

 

1951 hatte Schlotter seine allererste Reise nach Spanien unternommen, was sich auf seine Palette unmittelbar ausgewirkt hat. Geschult in der tonigen Malweise der Münchener Akademie, sah er in Spanien erstmals die Auswirkungen grellen Lichts auf die Farben. Entsprechend buntfarbig sind die Gemälde, die diese Region darstellen. Das vorliegende Bild zeigt den Ort Peníscola, eine Stadt an der Mittelmeerküste, im Norden der Autonomen Region Valencia . Schlotter hat das Bild signiert, so dass wir davon ausgehen können, dass er mit seinem Werk zufrieden war. Dennoch hat er das Gemälde nie gerahmt und in den Tiefen seines Bilderlagers verschwinden lassen.

 

Tatsächlich weist das Bild ein paar Mängel auf. Obwohl Schlotter sich viel Mühe gegeben hat, durch Farben, Licht und Schatten die Struktur der engen Gässchen zwischen den unregelmäßig hohen Häusern zu erfassen, wirkt der bebaute Hang verwirrend, was sicherlich der Realität sehr nahe kam. Mit Hilfe eines (zu) auffälligen roten Striches versuchte er die Mauer im Vordergrund räumlich wiederzugeben, wobei ihm ein kleiner Fehler unterlief: Der Strich ist links zu weit gezogen. Und das schöne, tiefe Blau des Himmels ist etwas zu blau für die offenbar grelle Lichtsituation. Auch die Gesamtkomposition ist dem Maler nicht gut gelungen: Während sich auf der rechten Seite Flächen in unterschiedlichsten Farben und Formen schwergewichtig auftürmen, bietet die linke Seite wenig Sehenswertes. Vielleicht zeichnete er deshalb die Strichfigur einer Frau auf die leere Straße? Alles in allem ist es ein hübsches Bild in lebendigen Farben, das auf realistische Weise die südliche Architektur einer Siedlung am Hang zeigt. Aber gleichzeitig zeigt es uns auch, dass sich Schlotter seine Meisterwerke der späten 50er Jahre hart erarbeitet hat, indem er seine eigenen Bilder kritisch begutachtet und aus seinen Fehlern gelernt hat.