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November 2025

Archivalien aus dem Nachlass von Eberhard Schlotter

  

Helm, Kugel, Barbierschale

Verschiedene Metalle, 16., 20. und 19. (?) Jahrhundert

Archivalien sind Gegenstände, Dokumente oder manchmal auch Publikationen aus dem Besitz des Künstlers, die uns Auskunft über seine Persönlichkeit oder über Entstehung und Zusammenhänge seiner Werke geben. Einige Archivalien  dokumentieren wichtige Stationen oder Ereignisse aus seinem Leben. Gegenstände aus dem Besitz von Eberhard Schlotter erzählen uns die unterschiedlichsten Geschichten: Ein Ritterhelm, der offensichtlich als Motivvorlage für die Illustrationen zu „Don Quijote“ diente, erweist sich als originaler Helm des 16. Jahrhunderts mit Visier und Verzierungen – wie Schlotter an diesem Helm gelangte, ist nicht bekannt. In denselben motivischen Zusammenhang müssen wir die Barbierschale aus Messing einordnen: Don Quijote fand eine solche Schale, die fahrende Barbieren bei der Bartpflege ihrer Kunden verwendeten. Als er einem solchen Barbier begegnete, der die Schale der Einfachheit halber auf dem Kopf transportierte, deutete der selbsternannte Ritter das Utensil sofort als den „goldenen Helm des Mambrin“, eines nicht näher bekannten Helden eines der zahllosen Romane, die Don Quijote zu Hauf gelesen hatte. Schlotters Seifenschale könnte aus dem 18. oder 19. Jahrhundert stammen. Woher er sie hatte, ist leider nicht bekannt. Dass er sie gezielt im Zusammenhang mit seiner Arbeit an den Don Quijote-Illustrationen erwarb, ist aber wahrscheinlich.

 

Der letzte Gegenstand auf dem Foto ist eine große Weihnachtsbaumkugel. Schlotter erfreute sich an den visuellen Effekten der Kugel und stellte sie oft in Bildern der 70er Jahre dar. Besonders gerne setzte er sich selbst in das Zentrum des verzerrten Spiegelbildes auf der Kugel.

 

Alle drei Gegenstände können also unmittelbar verschiedenen Werken zugeordnet werden, so dass sie ein wenig Raum lassen für Spekulationen über Schlotters Arbeitsweise: Er umgab sich mit Dingen, die ihn inspirierten oder im ermöglichten, sich in Zeit und Stimmung der Welten zu versetzen, die er darstellen wollte.