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Bild des Monats

Februar 2021

Gloria y Libertad y Glorieta, 1978, Öl auf Leinwand, 70 x 89 cm

Eberhard Schlotter
Libertad y Glorieta, 1978,
Öl auf Leinwand,
70 x 89 cm

In den 1970er Jahren bevorzugte Eberhard Schlotter phantastische Szenerien, deren Reiz für den Betrachter in der Diskrepanz zwischen realistischer Malweise und surrealem Inhalt besteht. „Libertad y Glorieta“ (Freiheit und Gloriette) zeigt uns einen Aussichtsplatz, von dem herab ein Pärchen in die monumentale, aber weitgehend nicht sichtbare Landschaft schaut. Solche Aussichtsplätze gibt es in der Umgebung Alteas (Costa Blanca, Spanien) viele. Sie heißen allerdings „miradores“ und das Pärchen im Mittelgrund des Bildes verweist auf diese Funktion des dargestellten leeren Platzes. Im Vordergrund befinden sich drei nackte Frauen, zusammengepfercht unter einer Glasglocke wie sie z.B. für Uhren benutzt wird. Ihre Anwesenheit, ihre Gefangenschaft und ihre Nacktheit sind vollkommen unerklärlich. Darüber hinaus scheint der Titel des Bildes sie auch gänzlich zu ignorieren.

Dieser Titel nimmt ironisch Bezug auf einen Kampfruf aus dem Spanischen Unabhängigkeitskrieg gegen Napoleon (1807 – 1814): „¡libertad y gloria!“, also „Freiheit und Ruhm!“. Eines der berühmtesten Gemälde der Kunstgeschichte, nämlich „Die Erschießung der Aufständischen am 3. Mai 1808“ von Francisco de Goya bezieht sich unmittelbar auf die dramatischen Ereignisse dieser Zeit.
Das Wortspiel macht aus „gloria“ (Ruhm) „glorieta“, was in diesem Zusammenhang nach einer Verkleinerungsform und Verniedlichung klingt, obwohl „glorieta“ eine von „gloria“ unabhängige Bedeutung hat: Eine „glorieta“ ist eine tempelartige Architektur auf einer Anhöhe, die meist mit einer Residenz, einem Schloßpark o.ä. in Verbindung steht. Auf einen solchen Zusammenhang weist im Bild aber nichts hin. Ebenso versucht man vergeblich, einen Hinweis auf die Freiheit zu finden.

Dieses Bild wurde von zwei Celler Künstlerinnen als Inspiration für ihre beim Wettbewerb „Celler KünstlerInnen zu Gast bei Eberhard Schlotter“ ausgewählt. Ihre Bilder werden so bald wie möglich in einer neuen Ausstellung in der Eberhard Schlotter Stiftung im Bomann-Museum Celle zu sehen sein.

 

Januar 2021

Arc de Triomph, 1976

Eberhard Schlotter
Arc de Triomph, 1976
Öl auf Leinwand
50 x 70 cm

Sein Handwerk beherrschte Eberhard Schlotter wie kaum ein anderer zeitgenössischer Künstler – Alles konnte er malen. Gerade deshalb musste er für sich selbst einen neuen Schaffensantrieb finden. Er schuf damit Gemälde, die uns verführen, das Gesehene zu glauben, bis wir auf die vom Künstler gestreuten „Stolpersteine“ stoßen, die uns bewusst machen, dass der Maler Alles nur erfunden hat. Seine Bilder werden zu einem ganz eigenen Kosmos – die  Phantasie des Künstlers triumphiert über die Realität.

In seinem Gemälde „Arc de Triomphe“ malte Schlotter eine weite, leere Landschaft unter einem dramatischen Wolkenhimmel, in die er ein Stück Architektur hineinstellte. So rätselhaft die Erscheinung dieses Architekturteils ist – eine Ruine ist weit und breit nicht in Sicht – so merkwürdig sind die weiteren Bestandteile dieses Bildes: Eine aufgeschnittene Apfelhälfte, ein blühender Zweig, der durch ein Loch im Boden (oder in der Leinwand?) zu wachsen scheint und eine auf unerklärliche Weise aus dem Boden auftauchende Glaskugel, in der man Schlotter selbst, in seinem Atelier sitzend, erkennt. Schließlich ist da im dunklen Vordergrund noch ein schemenhaft erkennbares Auge – zu wem es gehört, bleibt ungeklärt. 

 

Dezember 2019

Von Wind und Spiegel verzerrt, 1968

Eberhard Schlotter
Von Wind und Spiegel verzerrt, 1968
Farblithographie
50 x 70 cm

Über seine experimentelle Arbeit mit Zerrspiegeln sagte Eberhard Schlotter:

„Ich besorgte mir eine biegsame Aluminium-Folie, polierte sie und begann nun zu beobachten, wie bei Verbeulungen der Fläche aus einem Kopf … mehrere Köpfe wurden. Aufregend war, dass die Deformans, […] auch Anblicke eines Bewegungs-Ablaufs, eines Tanzes z.B. [zu vermitteln schien]. Es schienen geradezu Zeit-Abläufe von Alterserscheinungen an einem Menschen erkennbar zu werden. Zugleich ließ sich das Hinauswachsen des Körpers im Raum beobachten.“

Dieses und ähnliche Bilder, die Schlotter zwischen dem Ende der 60er und Anfang der 80er Jahre schuf, werden Teil der neuen Ausstellung „Irre Welten – Eberhard Schlotter und die Wirklichkeit“, die im Frühjahr 2020 eröffnet werden soll.

 

November 2019

Los viejos de Bollula

Eberhard Schlotter
Los viejos de Bollula, 2002
Mischtechnik auf Leinwand
80 x 60 cm

Noch bis zum 3. 11. 2019 präsentiert die Eberhard Schlotter Stiftung die Ausstellung „SCHWARZE KUNST – Entdeckung einer Farbe im Werk von Eberhard Schlotter“.

Mit dem harten Licht Spaniens entdeckte Eberhard Schlotter auch die Qualitäten des Schattens und eroberte so die schwarze Farbe für seine Bildwelten.

Das vorliegende Beispiel ist eine alltägliche Szene aus seiner spanischen Wahlheimat, in der die Farbe schwarz vor allem durch die Kleidung alter Menschen ins Bild gerät. Doch auch der tiefe Schatten des Hauseingangs oder die Vertiefungen im Putz der Hauswand stellen Varietäten von Schwarz vor, die wir im Allgemeinen gar nicht wahrnehmen. Im Bild allerdings nehmen sie eine wichtige ordnende Funktion ein.

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