Bildnis Dorothea, 1951
Öl auf Hartfaserplatte
Seit 1950 war der junge Eberhard Schlotter Vorsitzender der Neuen Darmstädter Sezession, der möglicherweise wichtigsten Künstlervereinigung Deutschlands in der unmittelbaren Nachkriegszeit. Hier kamen ältere und jüngere bildende Künstler, Kunsthistoriker, Kunsthändler, aber auch Musiker, Fotografen, Architekten und Theaterleute zusammen. Die gegenseitigen Anregungen waren beachtlich, ebenso die mitunter heftig geführten Debatten.
Das Porträt seiner Frau Dorothea (geb. von der Leyen) zeigt Spuren dieser Auseinandersetzung: Die Figur ist in die Enge eines Sessels mit hohen, geschlossenen Armlehnen gesetzt, deren Höhe links noch durch ein blaues Kissen verstärkt wird. Auf der rechten Seite markiert ein schwarzes Wandstück eine deutliche Grenze. Hinter Dorotheas Kopf allerdings öffnet ein hellgelbes, dynamisch gestaltetes Farbfeld diese Enge wie ein Fenster, durch das Sonnenlicht flutet.
Dorothea selber ist in sich gekehrt, der Blick gesenkt, die Beine überschlagen, ein Arm, locker auf dem Knie liegend, bildet eine Schranke zwischen ihr und dem Betrachter/Maler. Trotz der Bemühungen, mit Gelb und Rosa Helligkeit in das Bildnis zu bringen, überwiegt der Eindruck von Enge und Bedrängnis. Dazu tragen auch die schwarzen Konturen bei, die die Figur gegen den Umraum abgrenzen.
Vieles an diesem Porträt verrät einen gewissen Einfluss durch die Malerei von Max Beckmann. Ein kurzzeitiges Vorbild, das Schlotter– wie auch andere Anregungen der Kunst der Zwischenkriegszeit – schon Ende der 1950er Jahre hinter sich ließ, als er in Spanien seine ganz eigene Bildsprache fand.