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Das Haus des Stierkämpfers

Mischtechnik auf Leinwand, 1957

Das Haus des Stierkämpfers ist ein scheinbar anspruchsloses Motiv, das erst bei genauerer Betrachtung seine vielen Facetten offenbart. Zum einen werden die Betrachter zunächst Opfer ihrer eignen Sehgewohnheiten, bevor sie bemerken, dass kein Haus am Meer, sondern nur farbige Flächen gemalt wurden, die den Eindruck von verputzter Wand, Wasser und Himmel erwecken. Denn Schlotter malte keine Schatten und modellierte auch nicht durch farbliche Nuancen – das Bild ist gänzlich flach. Auch die als Zaun und Pergola deutbaren, dunklen Linien geben dem dargestellten Motiv keine räumliche Tiefe. Andererseits ist der Gegensatz zwischen diesen eher grafischen Elementen und den Farbflächen besonders reizvoll.

Die Klarheit dieser Bildkonstruktion überlässt nichts dem Zufall, kein Element ist eine beliebige Zutat. Damit tritt Schlotter als vehementer Gegner der gegenstandlosen Malerei seiner Zeit auf, in der er geringe Aussagekraft und willkürliche Gestaltung erkannte. Aber er stellte deren Qualität nicht grundsätzlich in Frage. Die rigorose Reduktion auf die Fläche beweist, dass er sich mit der aktuellen, hitzig geführten Debatte um die Zukunft der deutschen Kunst ernsthaft auseinandergesetzt hatte. Er verließ niemals das Terrain der konkreten Darstellung, bediente sich aber formeller Möglichkeiten der so genannten abstrakten Kunst. So fand Schlotter eine moderne Bildsprache, die ihm die Konfrontation mit Wahrnehmungsmustern und ein Hinterfragen des scheinbar Wirklichen ermöglichte.