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Der Ring des letzten Esels

Mischtechnik auf Leinwand, 1990er Jahre

Nachlass Karin Dietz

In seinem Spätwerk kehrte Eberhard Schlotter zu einigen Themenkreisen zurück, die er Jahrzehnte zuvor schon einmal bearbeitet hatte. In den 1990er Jahren war dies vor allem das Motiv der so genannten „leeren Bilder“. Im Gegensatz zu den Stadtbildern der späten 50er und frühen 60er Jahre malte er nun allerdings Ausschnitte sehr viel kleineren Ausmaßes. Nur ein kleines Stück Wand war in dieser Zeit sein Hauptmotiv.

Auch „Der Ring des letzten Esels“ ist ein solches „Wand-Bild“, wenn es auf dem ersten Anschein nach auch eher ein Landschaftsgemälde ist. Wir sehen eine blaue Fläche, deren Farbe uns räumliche Tiefe suggeriert, so dass wir zunächst annehmen, es handle sich um eine Wasserfläche, die am Horizont mit dem Himmel zusammenstößt. Die abendliche Stimmung zeigt uns den Widerschein des letzten Tageslichts im oberen Bildteil und die zu Schatten mutierte Vegetation im Vordergrund. Die auffällige Oberflächenstruktur des Gemäldes deuten wir bereitwillig als Wolken und leichten Wellengang, die ringförmige Erhebung inmitten solcher „Wolken“ könnte ein Mond sein. Doch hier bricht die Illusion. Der Ring ist ein Ring. Vor dem Original sieht man eindeutig die stoffliche Erhebung vor dem gemalten Hintergrund, der statt des Himmels nun eine Mauer darstellt. All die bezaubernden Farben sind nur Putz und Farbe auf einer alten Hauswand, und die schöne Landschaft nur eine Illusion.

Der „Ring des letzten Esels“ verweist auf die vergangene Zeit, als Schlotter Altea für sich entdeckt hatte und Esel noch allgegenwärtig im Stadtbild der südspanischen Küstenstädtchen waren. Diese Nostalgie in der scheinbar nüchternen Darstellung eines Stückchens Hauswand macht den poetischen Reiz dieses kleinen Werkes aus. Er schenkte es Karin Dietz, die ihm seit den frühen 50er Jahren eine treue Freundin und nach dem Tod Dorotheas 1993 schließlich Schlotters zweite Lebensgefährtin war. Ihr Nachlass an über 60 Gemälden, Aquarellen und Zeichnungen Eberhard Schlotters kam 2025 in die Stiftung.