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Faust II - Ein Maskenzug

Öl auf Leinwand, 1986

Das Gemälde ist eines aus einer Gruppe von Werken, die im Zusammenhang mit einem Auftragswerk von 1984 stehen: Die Auftraggeber wollten Wandgemälde zu Goethes Faust II, 1. Akt, 3. Szene – Vorstellung des Papiergeldes als Rettung aus der Staatsverschuldung.   

Nach dem Scheitern der Auftragsverhandlungen wandte sich Schlotter dem für ihn weitaus interessanteren Thema der Maskerade zu, das Goethe in der unmittelbar vorausgehenden Szene des Karnevalsumzugs am kaiserlichen Hof schilderte. Schlotter war fasziniert von der Möglichkeit, mit Hilfe der Maskerade Schein und Sein von Identität und Selbstdarstellung, Spiel und Ernst von Beziehungen und generell menschliches Verhalten im gesellschaftlichen Kontext zeigen zu können. Die Maske nimmt ihrem Träger Individualität, bietet aber auch Anonymität, sie verschleiert oder betont das Erscheinungsbild.

Bildbeherrschend ist die Gegenüberstellung der Anmut und Klarheit der weiblichen Figur im Hintergrund mit dem prachtvollen und aufwändigen Gewand der sitzenden Figur im Vordergrund, dem eine weiße Maske beigeordnet ist. Sie passt anatomisch allerdings nicht als Kopf der Figur, sondern scheint an ein rechts sichtbares Mauerstück angelehnt zu sein. Nichtsdestotrotz wirkt das Gewand wie von einem lebendigen Körper getragen. Dies bewirken vor allem der lebhafte Faltenwurf und die linke Hand (rechts im Bild), wohingegen der rechte Arm „aus dem Nichts“ zu wachsen scheint. Im größten Kontrast dazu steht die Präsenz der Frau im Hintergrund. Sie steht, sie lehnt sich an einem verhüllten Möbel (?) an, und sie hat ihr Gesicht demaskiert. Gleichwohl nimmt sie keinen Blickkontakt auf, sondern scheint in sich gekehrt, gedankenversunken – oder wartend.

Der schlichte, flächige Hintergrund dient der delikaten und schillernden Darstellung der Gewänder beider Figuren als Folie. Die rechts und links im Bild eingefügten starken Senkrechten verlieren auf den zweiten Blick an Kraft: Die Stütze der Frau verläuft nach unten verjüngend, was instabil wirkt. Und die Mauer verwandelt sich in der Hand der vorderen Larve in weiches Tuch.

Schlotters Hauptthema der unsicheren Wirklichkeit, der Vieldeutigkeit der Erscheinungen sowie der Täuschung wird hier ergänzt durch das aktive Verbergen-Wollen und Vorspielen einer Rolle, das für Menschen in Gesellschaft typisch ist.