Frühwerke von Eberhard Schlotter
Öl auf Malkarton oder Pappe
Die meisten dieser frühen Gemälde gelangten erst 2025 als Dauerleihgaben aus dem Nachlass des Künstlers in die Stiftung. Sie gehören zu einer Gruppe von Arbeiten, die Schlotter nie öffentlich gezeigt hat, weil sie Teil des unausgegorenen Frühwerks sind.
Für die wissenschaftliche Arbeit sind sie dennoch beredte Exponate, denn sie stehen für verschiedene Stationen im Leben des jungen Eberhard Schlotter, der nach seiner Malerlehre in Hildesheim 1939 zum Studium nach München ging. Dort erlernte er traditionelle akademische Maltechniken. Doch seine Einberufung in den Krieg führte 1941 zum Abbruch des Studiums. Die dramatisierende und realistische Malweise des Bildes „Liegender Akt“ von 1944 offenbart allerdings sehr deutlich die „Münchener Schule“.
Daneben sind Gemälde unterschiedlichster Motive zu sehen – eine Landschaft, ein Stillleben, eine Stadtansicht, ein Wandbild-Entwurf – woraus sich ablesen lässt, dass der junge Künstler sich an allen gängigen Sujets ausprobierte.
Interessant aus biografischer Sicht sind die Landschaft und die Studie. Das kleine, auf Pappe gemalte Landschaftsbild entstand im Lazarett in Pleschen (heute: Pleszew, Woiwodschaft Großpolen), wo Schlotter wegen einer schweren Beinverwundung monatelang bleiben musste. Er malte mit einfachsten Materialien, rührte sich Farbe mit Speiseöl an, fertigte selbst Pinsel an und benutzte Pappe als Malgrund.
Die Studie für ein Wandbild stammt bereits aus der Zeit nach dem Krieg. Seit 1950 erhielt Schlotter im Rahmen des Wiederaufbauprogramms der Städte Aufträge für Wandgestaltungen im Innen- und Außenbereich öffentlicher Gebäude. In Darmstadt, wo er damals mit seiner von dort stammenden Frau Dorothea von der Leyen lebte, sind viele seiner damaligen Arbeiten noch erhalten. Er machte sich durch diese Werke einen Namen und verdiente, im Gegensatz zu vielen anderen Künstlern dieser Zeit, eine stattliche Menge Geld. So war es ihm möglich, bereits in den 50er Jahren Auslandsreisen mit dem eigenen Auto zu unternehmen.
Seine allererste Reise nach Spanien, dem Land, das eine zentrale Bedeutung für Schlotter bekommen sollte, hatte er 1951 unternommen. Diese Reise wirkte sich unmittelbar auf seine Palette aus, denn er sah in Spanien erstmals die Auswirkungen südlich-grellen Lichts auf die Farben. Entsprechend buntfarbig sind die Gemälde, die diese Region darstellen. Die Stadtansicht von Peñíscola in Südspanien ist ein Beispiel für diese frühen Werke. Schlotter hat das Bild signiert, so dass wir davon ausgehen können, dass er mit seinem Werk zufrieden war. Dennoch hat er das Gemälde nie gerahmt und hat es in den Tiefen seines Bilderlagers verschwinden lassen. Das beweist, dass Schlotter später seine eigenen Bilder kritisch begutachtet und aus seinen Fehlern gelernt hat. Seine ersten Meisterwerke stammen erst aus den späten 50er Jahren.