November 2026
Die Frau des Metzgers, 1959
Holzschnitt
Die Holzschnitte bilden in Schlotters grafischem Werk eine sehr kleine Gruppe von knapp über 60 Arbeiten. Ganz offensichtlich hat er für diese Drucktechnik keine besondere Zuneigung entwickelt, obwohl er mit verschiedenen Papieren und Druckfarben experimentierte. Alle seine Holzschnitte stammen aus den Jahren 1946-48 und 1951-61.
Das Motiv dieses Holzschnittes ist dasselbe wie das Gemälde „Die Frau des Metzgers“ aus dem Jahr 1958. Auffällig ist die Spiegelverkehrtheit des Motivs. Da der Holzschnitt zu den Hochdruckverfahren gehört, wäre es relativ einfach gewesen, das Motiv seitenrichtig zu schneiden, denn der Künstler sieht unmittelbar, welches Bild entsteht: Was im Druck weiß erscheinen soll (also nicht gedruckt wird), schneidet man aus dem Holz aus. Dennoch ist zu bedenken, dass der Holzstock seitenverkehrt druckt. Der Druck funktioniert wie bei einem Stempel.
Verglichen mit anderen Künstlern des 20. Jahrhunderts folgt Schlotter nicht den Eigenschaften des Holzes. Im Gegenteil, er versucht, glatte Flächen und gerundete Linien herauszuarbeiten statt die Kantigkeit der Holzfasern für eine expressive Linienführung zu nutzen wie es etwa die Künstler der „Brücke“ getan hatten. Dennoch sieht man hier und da auch in diesem Holzschnitt, dass er die Maserung sehr wohl zu nutzen wusste: Den rauen Verputz der Wände, die hölzerne Tischplatte sowie das faltige Gesicht der alten Frau glättete er nicht (oder nicht gänzlich), sondern überließ es dem Holz selbst, hier Linien vorzugeben.