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Schatten auf der Höhlenwand

Öl auf Leinwand, 1990

In seinem malerischen Werk hat Eberhard Schlotter Eindrücke fast aller Kunstströmungen des frühen 20. Jahrhunderts verarbeitet. Sowohl Neue Sachlichkeit als auch arte metafisica gaben ihm wichtige Anregungen für seine eigenen Bildfindungen vor allem der 1990er Jahre. Zu einer Reihe von Werken, deren architektonische Elemente an die Plätze Giorgio de Chiricos erinnern, gehört auch dieses große Gemälde mit dem Titel „Schatten auf der Höhlenwand“, der auf eine weitere Inspirationsquelle verweist, nämlich die Texte Arthur Schopenhauers und anderer Philosophen. Der Titel dieses Gemäldes verweist beispielsweise direkt auf das „Höhlengleichnis“ des antiken Denkers Platon.

Schopenhauer und Platon überschneiden sich in ihren Aussagen zur Wahrnehmung der Wirklichkeit. Nach Schopenhauer ist die Welt nur in der Vorstellung des Einzelnen existent, die wahre Wirklichkeit verbirgt sich hinter der Erscheinung, die wir sehen. Platon beschrieb in seinem Höhlengleichnis die Idee, dass Menschen in ihrer Wahrnehmung durch ihre Lebensumstände beschränkt sind. Eine Veränderung der Bedingungen habe also eine andere Realitätswahrnehmung zur Folge, die Beschränkung durch seine Existenz als Mensch z.B. bezüglich seiner sinnlichen Wahrnehmung bleibt aber erhalten.

Dass es sich im Bild nicht um die Wiedergabe eines realen Platzes handelt, sondern um ein Konstrukt, eine Vorstellung oder Idee, erkennt man an der physikalischen Unmöglichkeit des dargestellten Raumes.