Verwandlung
Öl auf Leinwand, 1968
Nachdem Schlotter Ende der 1950er Jahre die Arbeit an der Serie „Eine Metzgerfamilie“ abgeschlossen hatte, suchte er nach einem neuen großen Thema. Zunächst entstand eine Serie schwarzer Bilder, meist Porträts. Dann las er die Schriften von Sigmund Freud und erkannte, dass das Symbolhafte allgegenwärtig ist. Symbole allgemeiner Gültigkeit und seine subjektive Bildsprache erotischer Symbolik durchdrangen Schlotters Werke der 60er Jahre auf geradezu aufdringliche Weise. Das eigentliche große Thema schlummerte indes noch in ihm.
Bereits 1962 hatte Schlotter ein interessantes Gespräch mit Arno Schmidt über die Möglichkeiten der Darstellung von Zeit. Menschen empfinden Zeit als subjektive Erfahrung: Das Vergehen von Zeit ist gekoppelt an Empfindungen, Befindlichkeiten, Erinnerungen u.v.m. Schlotter verband in seinem Versuch, Zeit darzustellen also innere Zustände mit äußerer Veränderung. Was im vorliegenden Bild an die Verzerrung des Raum-Zeit-Kontinuums am Ereignishorizont eines schwarzen Lochs anmutet, ist das Ergebnis eines simplen Experiments. Denn Schlotter hatte zufällig sein eigenes, extrem verzerrtes Konterfei auf dem blankpolierten Chromblech eines Kotflügels entdeckt und forschte die Möglichkeiten der Verzerrung fasziniert aus. Hier fand er die Lösung für die Darstellung von Zeitabläufen. Mit Hilfe der menschlichen Figur als Motiv konnte er auch die mit dem Zeitempfinden verknüpften Gefühle mittels der Verzerrungen zum Ausdruck bringen.