Zur Blauen Wand
Die 10 Werke an dieser Wand bilden eine stark verkürzte Übersicht über Schlotters malerisches Schaffen aus etwas mehr als fünf Jahrzehnten, angefangen mit den beiden Bildern „Das große Wäscheproblem“ und „Das Haus des Stierkämpfers“ aus dem Jahr 1957 bis zu dem Ende er 1990er Jahre entstandenen Bild „Der Ring des letzten Esels“. Schlotter durchlief in dieser langen Zeit verschiedene Werkphasen: Während die frühen Bilder von der in Deutschland heftig geführten Auseinandersetzung um gegenständliche und abstrakte bzw. ungegenständliche Malerei geprägt sind, begann Schlotter gegen Ende der 50er Jahre sein Augenmerk auf die Beobachtung seiner Mitmenschen und ihrer Beziehungen untereinander zu verlegen. Neben Porträts und rätselhaft psychologisierenden Darstellungen des Menschen war sein Hauptwerk dieser Phase die erste von drei Serien der „Metzgerfamilie“ (s. „Der arbeitslose Bruder des Metzgers an der ersten Stellwand). Schon gegen Ende der 60er Jahre interessierte ihn dann die Wahrnehmung der Wirklichkeit und die grundsätzliche Frage danach, was Wirklichkeit überhaupt ist. Seine Werke der 70er Jahre sind daher von surrealen Elementen durchdrungen, sie sind rätselhaft und widersprüchlich, sinnlich und intellektuell zugleich. Er beschäftigte sich mit dem Konflikt zwischen Wahrheit und Fiktion, Wahrnehmung und Fantasie. Auch die Beschäftigung mit „Faust, Zweiter Teil“ von J.W. Goethe in den 80er Jahren mündete in eine Reihe von Bildern, die uns eine Scheinwelt enthüllen. Eine weitere, tiefgreifende Wendung erfuhr das Werk des Malers durch den Tod seiner Frau Dorothea 1993. Ein häufiges Motiv aus dieser Zeit sind geteilte Gefäße als Symbol seines Verlusts. Gleichzeitig finden sich in den späten Gemälden wieder Architekturformen, Wände und Oberflächen, die den Maler bereits in den 50er und 60er Jahren zur Arbeit inspiriert hatten. Hier macht sich seine handwerkliche Ausbildung zum Maler und Weißbinder bemerkbar: Die Wände in den Gemälden gleichen den rau verputzten Vorbildern deshalb so täuschend, weil er der Farbe Putz und Füllmittel beigemengt hatte.